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Bericht der Braugerstenrundfahrt Rheinland-Pfalz 2026

Die Tour fand im Raum Wallertheim in Rheinhessen am 23.06.2026 bei hochsommerlichen Temperaturen von 33-34 Grad statt, die hier seit einigen Tage vorherrschte und in den Tagen danach noch zulegen wird. Sie umfasste Streifenversuche, Landessortenversuche und Praxisschläge sowohl für Sommergerste (Herbst-/ Frühjahrsaussaat) und 2z Winterbraugerste.

Der Praxisschlag Herbstaussaat Sorte „Lexy“ ist am 28.10.25 ausgesät und wird diese Woche noch geerntet oder ist zum Zeitpunkt des Berichts bereits Geschichte. Die Ertragserwartung des Landwirts liegt bei 7 t /ha, Käufer der Ware ist die Palatia. Ein Feld Sommergerste des gleichen Landwirts mit der neuen Sorte „Excalibur“ würde am 5.3.26 eingesät, präsentiert sich noch leicht grünlich und wird mit 6,5 t Ertrag erwartet.

5. -15. März 2026 gilt insgesamt als Zeitfenster, in dem das Gros der deutschen Sommerbraugerste in diesem Jahr ausgesät worden ist.

Die Streifenversuche zeigen optisch Sortenunterschiede im Ährenbild, der Zahl der Ähren und deren Bekörnung. Fehlstellen in der Ährenanlage oder unnatürlich gefärbte Kornanlagen sind nicht zu sehen. Anders als in Frankreich.

Vorteile sehen die Experten für Sorten wie der nach wie vor weitverbreiteten „Amidala“, die als starke Sortiererin auch unter Hitzestressbedingungen gilt. Jedoch ist sie im Ertrag anderen Sorten aufgrund ihres Alters unterlegen. Entscheidend für den Marktwareertrag ist aber beides, Ertrag und Qualität. Folglich hat eine „Amidala“ weiter ihre Berechtigung als Element zur Risikostreuung des Anbaus.     

Die Bestände präsentieren sich normal dicht, es gibt keine in der Pflanzendichte überzogene Bestände, dies hat trockene Witterung in der Bestockungsphase im April, Anfang Mai verhindert. Die Einzelhalme tragen überwiegend normal ausgeprägte Ähren. Der Krankheitsdruck war in der Wachstumsphase niedrig und sorgte somit für wenig zusätzlichen Pflanzenstress.

Angesicht der momentanen Hitzewelle zeigen sich Vorteile für frühreife Sorten, für die Herbstaussaatvarianten und die Winterbraugerste. Grund ist die bereits vollständig abgeschlossene (WBG und Herbstsaat) Kornausbildung oder eine bereits so weit fortgeschrittene Kornausbildung, dass die Auswirkungen auf Ertrag und Sortierung als überschaubar gelten.

Generell nicht gerechnet wird mit überhöhten Eiweißwerten aufgrund der Hitze, weil die Pflanzen in Hitzephasen die Umlagerung von Eiweißbausteinen ins Korn reduzieren und einstellen, kommentierte die anwesende Wissenschaft. Zudem sind sämtliche modernen Sorten im Anbau bezüglich der Eigenschaft „Kornproteingehalt“ mit der Note 1 = sehr niedrig bewertet und nicht als Eiweißüberschießer unter Stress bekannt.    

Inwieweit die extremen Höchsttemperaturen bei den etwas später abreifenden Sorten (wir sprechen hier von wenigen Tage nicht Wochen!) den Ertrag, durch Abfall des Tausendkorngewichts, und die Qualität, durch abfallende Sortierung, noch beeinträchtigen, bleibt mit dem Ernteverlauf abzuwarten. Entscheidend wird sein, ob die prognostizierte Abkühlung und Gewitter / Regenfälle Ende Juni / Anfang Juli tatsächlich eintreten und den späteren Pflanzen nochmal Chance geben, Assimilate in die Körner zu verlagern.

Fazit: In der besichtigten Region Wallertheim steht die Braugerstenernte 2026 bevor. Die Hitze beschleunigt die Abreifephase rasant und es wird gewisse Einbußen geben durch verminderte Naturalgewichte. Insgesamt jedoch keine Katastrophe. Warum? Die Vielfalt der Anbauvarianten (Winter, Herbst, Frühjahr, unterschiedliche Sorten) verteilen das Risiko auf mehrere Ebenen und sichert die Ernte ab.

Bericht der Braugerstenrundfahrt Unterfranken, Bayern, 2026

Die Tour fand am 25.6.2026 entlang der Gemarkungen und Raumschaften Thüngen, Arnstein, Werneck, Kolitzheim sowie Seligenstadt in Unterfranken statt und deckte gute bis mittlere bis schwächere Bodenlagen ab. Besichtigt wurden Versuchsanlagen, Streifenanlagen und Praxisfelder quer über das sog. 3-Säulenmodell: Winterbraugerste, Sommerbraugerste in Herbstsaat und Frühjahrsaussaat.

Die repräsentativen Eckpunkte der Aussaat sind Winterbraugerste Ende September 2025, Herbstsaat Anfang November 2025, Frühjahrsaussaat 5.-15. März 2026. Die Tour fand unter Temperaturen von 35-38 Grad Celsius statt. Seit mehreren Tagen herrschen Tagestemperaturen von über 30 Grad vor und in der Spitze, zum Wochenende 27.-28.6., soll das Thermometer die Marke von 40°C knacken. Stressige Bedingungen für Mensch und Vegetation.  

Bayern Sommergerstenfläche beläuft sich auf 74000 ha und damit auf einem Allzeittief. Zusammen mit der Herbstsaat sind es knapp 80.000 ha zzgl. Winterbraugerste (keine Zahl verfügbar). Alternativen der Bauern sind Rapssaat (+ 6000 ha) und Dinkel (+11000 ha) gewesen. Zuwächse auch bei weiteren kleineren Kulturen. Wäre nicht die Rübenfläche zurückgegangen und dort Braugerste angebaut, so die These, wäre die Braugerstenfläche in Bayern noch kleiner ausgefallen.

Die Ernte der Winterbraugerste steht unmittelbar bevor. Der Drusch von Herbstsaaten wird auf den guten Lagen nicht vor Juli stattfinden und die der Sommergerste vielleicht ab 10. -15 Juli, stark abhängig von der Dauer der momentanen Hitzewelle und der Frage, ob die Erholungswetterlage ab kommender Woche tatsächlich stattfindet oder sich der Wetterbericht noch verändert und es heiß bleibt. Letzteres würde unvermeidlich Ertrag und Sortierung kosten.  

Saatenstände, die den Kornfüllungskippunkt bereits überschritten haben, sind wenig bis nicht gefährdet für witterungsbedingte Ertrags- und Qualitätseinbußen. Für die besuchte Raumschaft ist das nur für die Winterbraugerste gegeben. 

Positiv zu vermerken sind die moderaten Pflanzendichten pro Quadratmeter, nicht überzogen bestockt, und überwiegend geringes und bekämpftes Krankheitsgesehen sowie guter Ernährungszustand. Die Einzelähren zeigen keine Fehlstellen, Verbräunungen oder sonstige mit dem bloßen Auge sichtbare Anomalien. Normal dichte Bestände überstehen Hitzephasen bzgl. Ertragsbildung und Sortierung besser als überbestockte Bestände, die unter Stress stärker zu Kümmerkorn neigen.       

Die besichtigten Streifenversuche zeigen optisch Sortenunterschiede im Ährenbild, der Zahl der Ähren und deren Bekörnung. Somit ist die Sortenwahl ein entscheidender Baustein des Anbaus zur Risikosteuerung. Keine der präsentierten Sorten sieht nach Totalausfall aus. Überzeugend sind „Amidala“, „Excalibur“, „Caruso“. Etwas abfallend wirkten „Tilda“ und „Lexy“. Die Leistung der Zuchtstämme lasse ich unkommentiert.  

Aktuell weniger überraschend: Bestände auf den besseren Lagen, die also von Boden und Regen begünstigt sind, zu Beginn der Tour im Raum Thüngen, präsentieren sich besser als die bodengütebedingt schwächeren Lagen ausgangs der Tour in Kolitzheim (dem Kräutertal Unterfrankens unter Beregnung).   

Konkrete Festlegungen der Praktiker für ihre Schläge belaufen sich auf 5 – 6 t pro Hektar für Sommerbraugerste und 7+ für Winterbraugerste. Schätzungen für die Sommervariante fielen unter dem Vorbehalt, was macht die Hitze mit dem Pflanzen, speziell TKG und Sortierung, defensiv aus. Mental nachvollziehbar unter dem Eindruck von Temperaturen nahe 40°C am Feldrand stehend.

„Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Ernte jetzt besonders schwach geredet wird und hinterher noch positiv überrascht“, so eine ebenfalls aufgeschnappte These aus dem Kreis der Fachbesucher. Generell schreibt man Braugerste zu, sie käme mit Trockenheit besser zurecht als mit zu nassen Verhältnissen.

Dem steht das Argument entgegen, Trockenheit ist nicht gleichzusetzen mit extremer Hitze. Sehr wahrscheinlich wird die Hitze die Keimruhe brechen und somit ist die Ware früh verarbeitbar (für die Mälzer wegen Überhängen kein Ass), aber auch empfindlich für Auswuchs bei Dauerregen zur Ernte (für Erzeuger nachteilig für Erfasser händelbar). Somit begleitet uns bis zur Ernte eine volatile Situation mit Fragezeichen über das endgültige Ergebnis.               

Fazit: Bayerns Braugerstenfläche ist unter Druck, die Industrie hat zugleich geringeren Bedarf an Braugerste in Folge verringerten Malzabsatzes. Drusch der Winterbraugerste steht unmittelbar bevor. Sommerbraugerste ist noch nicht vollständig reif. Ob diese von Vorteil oder Nachteil ist, ist schwer vorherzusagen: Wäre es besser alles wäre jetzt schon reif – was für im Frühjahr (Anfang März) ausgesäte Sommerbraugerste im Grunde schlicht unmöglich ist – oder können die jetzt noch grünen Pflanzenteile wie Stängel, Grannen, Spelzen von einem Wetterumschwung profitieren? Schwingt das Wetter um, ist eine durchschnittliche Ernte erreichbar.   

Reports: Dr. Alexander Rosenberger

Stabilisierung trotz Herausforderungen

Die Braugerstenernte 2024 in Deutschland zeigt eine Stabilisierung im Vergleich zur schwachen Ernte des Vorjahres. Dies ist auf gute Vollgerstenwerte und eine insgesamt größere Anbaufläche zurückzuführen. Allerdings überzeugten die Flächenerträge aufgrund niedriger Naturalgewichte vielfach nicht. Die Kornproteingehalte tendieren niedriger, teils unter 9%, was meist als unvermälzbar gilt. Die Kornfeuchte liegt 1,0 – 1,5 % höher als im Vorjahr, bleibt aber noch unterhalb der Norm von maximal 14,5 %.

Die Sommerbraugerstenfelder, die im Herbst ausgesät wurden, verzeichneten durch heftige Fröste zu Jahresanfang vielerorts Totalausfälle. Diese Felder wurden jedoch im Frühjahr erneut ausgesät. Bei der Winterbraugerste hatten sich Landwirte bessere Erträge erhofft, was jedoch durch hohen Krankheitsdruck, Nässe und Sonnenmangel vereitelt wurde. Dank der größeren Anbaufläche ist das Aufkommen an zweizeiliger Winterbraugerste in Brauqualität trotzdem sehr auskömmlich.

Die ordentliche Erntemenge und -Qualität sowie ein Knick im Malzexport und eine stagnierende Bierproduktion setzten die Marktpreise unter Druck. Dies führte zu einer raschen Preiskorrektur, die durch die schlechte Vorjahresernte bis dato ausgesetzt war.

Deutschland könnte als Nettoimporteur erstmals seit Jahren von den Benelux-Ländern auf Platz 2 verdrängt werden. Frankreich verzeichnet eine für seine Verhältnisse unterdurchschnittliche Ernte. Bei mehrzeiliger Winterbraugerste muss der Preis pro Tonne sogar deren Nachfrage rationieren – ein Novum für Frankreich. England und Dänemark warten mit Überschussmengen auf. Auch aus Osteuropa suchen Braugerstenpartien eine neue Heimat im Export.

Entscheidend für die weitere Preisdynamik ist die Frage: Springt die Malznachfrage international an?

Prognose für die Braugerste 2025

Seit längerem beobachten wir einen sogenannten „Carry Markt“. Das bedeutet, die Kurse der Ernte 2025 liegen etwa 10 bis 12 Euro pro Tonne über denen der Ernte 2024, was ungefähr den Kosten der Durchlagerung entspricht. Diese Situation sollte eigentlich attraktiv für die Landwirtschaft sein, Flächen für den Anbau von Braugerste 2025 vorzuhalten.

Gemessen an der aktuellen Bereitschaft der Landwirtschaft, Vorverträge für Braugerste der Ernte 2025 abzuschließen, lässt sich diese Aussage jedoch aktuell nicht bestätigen. Hauptgrund hierfür ist das absolute Preisniveau der Braugerste, das von anderen Kulturen überflügelt wird, die häufig als weniger qualitätskritisch eingestuft werden.

Die weitere Flächenentwicklung für Sommerbraugerste wird primär von den Aussaatbedingungen für Wintergetreide in diesem Herbst abhängen. Sind die Felder im Herbst gut befahrbar, maximieren Landwirte in der Regel die Fläche für Wintergetreide – getreu der Devise: Was im Boden ist, ist im Boden.

Winterbraugerste könnte gemessen am Saatgutabsatz zur Aussaat Herbst 2024 erneut eine bedeutende Rolle in der heimischen Rohstoffversorgung zur Ernte 2025 spielen. Sie verdrängt in Frostlagen jedoch Sommerbraugerste in Herbstsaat, folglich kann der Nettoflächeneffekt noch nicht beurteilt werden.

Fazit

Aufgrund einer kleineren Braugerstenprämie büßt Braugerste für die Landwirtschaft an relativer Vorzüglichkeit ein. Somit ist das Halten der Anbaufläche zur Ernte 2025 kein Selbstläufer.

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